Ballermann auf Fünen

Silver Rudder 2018 – für die einen das coolste Regattaevent des Jahres, für die anderen der größe Sicherheits-GAU, den man im Segelsport betreiben kann.

Beide haben Recht. 425 Boote völlig unterschiedlicher Kategorien jagen ohne Vermessungsgrenzen einhand über 1-2 Nächte rund um die Insel Fünen. Die Boote teilweise verückt  gestopft mit Einhand-Segeltechnik und übergrossen Segeln, denn Vermessung spielt keine Rolle. Teilnehmer der Vorjahre berichten, das andere Teilnehmer die Positionslaternen ausschalten. In stockdusterer Nacht, teilweise bei heftigem Wind setzen sich also über 400 stark übernächtigte Menschen ihren eigenen Grenzen, den Grenzen Ihres Bootes und -leider auch- den Grenzen grundlegender Sicherheitsgedanken aus. Passiert ist dennoch bis heute nichts wirklich schlimmes.

Im vergangenen Jahr war das Silverrudder so auch das Ziel einiger furchtloser Einhandsegler aus dem YCLL, die mit gutem Erfolg bei den gesegelten Zeiten, vor allem aber mit der Euphorie, ihren eigenen Körper an die Grenzen geführt zu haben, abschlossen. Gunnar Bednarz stand ohne Autopilot über 43 Stunden am Ruder seiner Hoppetosse.

Dieses Jahr sollte wieder insgesamt ein Teilnahmerekord erreicht werden. Doch dann kam in den letzten Tagen die Gewissheit eines starken Tiefs mit Windstärken oberhalb 40 Knoten auf, die viele Teilnehmer dazu animierte, gar nicht erst zum Start nach Svendborg zu fahren. Auch der Veranstalter reagierte und verschob den Start um einen Tag. Start war also erst am Samstag Morgen, den 22.9..

Unser Jugendwart Ralf Kock war mit seiner Havlys dabei, perfekt für harte Touren vorbereitet und mit einer Windsteueranlage besonders entlastet beim Steuern. Zunächst unsicher, ob er mit den ganz kleinen Segeln mit dem orangen Kopf niucht etwas „unterpowert“ sei, ging er in guter Seemannschaft vorbereitet für die schlimmsten Böen an den Start, der gleich am Anfang für die verbleibenden Starter einiges spannendes zu bieten hatte:

Gegen Wind unter den Brückenpylonen durch, ohne dem Gegner den Vortritt zu lassen. Das war schon so eng, daß sich einige Starter eines besseren besonnen und abbrachen. Ralf gelang ganz konservativ segeln dort durch und setzte sich gleich an die Spitze des Feldes kleiner konventioneller Boote. Im kleinen Belt gingen Böen von 48 Knoten über ihn weg. Bei Gegenström in die Dunkelheit bei Middelfaart und nördlich Fünen im engen Wettkampf mit seinem Gegner „Holstenkrabbe“ kämpfte er sich mit wechselnden Positionen bis ins Ziel, nur wenige hundert Meter vor „Holstenkrabbe“. Ein beeindruckender Kampf und ein beeindruckendes Ergebnis!. Ralf erste Kommentare nach dem Ziel: „Jetzt brauche ich erst mal Kaffee und Frühstück“. Sei es ihm gegönnt!

Weitere Flensburger hatten gemeldet, aber angesichts der Wetterverhältnisse sind sie -wohl überlegt- nicht an den Start gegangen.

Ergebnisse hier

 

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