Aufslippen 2026: Langballigauer Uhrwerk im Minutentakt

Der Sommer 2026? Geil! Soviel Sonne, soviel segeln, so volle Badebrücke in LA. Viel mehr geht nicht. Im Herbst müssen wir uns auf die lästigen und frustrierenden Dinge des Seglerlebens konzentrieren: Boote aus dem Wasser holen, normalerweise den Hafenschlick verfluchen, Gummistiefel einweihen und am Ende aber zufrieden auf eine Halle voller Schiffe blicken.

 

Noch am Mittwoch guckten wir auf die Wetterprognosen und verlängerten schon mal präventiv den Arbeitsdienst für Freitagabend. Was wir raushaben, haben wir eben auch raus. Doch dann wurde alles besser, oder anders: So perfekt wie der Sommer! Es lief mal wieder so geschmeidig und präzise wie ein Uhrwerk. Kein fieser Seitenwind, kein Kiel durch den Hafenschlick schieben. Einfach easy going.

Das Aufslippen des YCLL am 23. und 24. Oktober 2026 war nach inzwischen 61 Jahren wieder einmal eine beeindruckende Demonstration dessen, was eine engagierte und eingespielte Vereinsgemeinschaft leisten kann.

Nachdem am Freitag die letzten Vorbereitungen liefen und die Motoren, Kärcher, Zugmaschinen und Kaffeemaschinen auf Betriebstemperatur gebracht wurden, stand am Nachmittag der große Arbeitseinsatz an. Während andere Menschen über einen  gemütlichen Wochenausklang nachdachten, wurde in Langballigau bereits gekrant, gefahren, gewaschen und rangiert. Und das von Freitag nachmittags bis zum späten Abend und am Samstagvormittag

Am Ende des Tages standen eindrucksvolle Zahlen auf dem Zettel:

82 Boote wurden in nur 11,5 Stunden geslippt.

Rechnet man die Waschstationen dazu, waren nach rund 12,5 Stunden sämtliche Arbeiten erledigt. Im Durchschnitt bedeutete das gerade einmal acht Minuten Kranzeit pro Boot, beziehungsweise neun Minuten – und das inklusive Waschen.

 

Wer schon einmal ein Segelboot sicher aus dem Wasser geholt, an Land transportiert, aufgestallt und anschließend gereinigt hat, weiß: Das ist keine Selbstverständlichkeit. Das ist Teamarbeit. Und zwar Teamarbeit mit Taktgefühl, Erfahrung und einer ordentlichen Portion Pragmatismus.

Dabei lief der Tag nahezu störungsfrei. Lediglich ein kleiner Schaden entstand, als ein Gurt an einer Scheuerleiste hängen blieb. Nichts Dramatisches, aber doch eine Erinnerung daran, dass selbst bei perfekter Organisation Metall, Kunststoff, Wind, Wasser und Schwerkraft gelegentlich ihren eigenen Kopf haben. Trotzdem kennzeichnet diese Aktion des YCLL, das Sicherheit, Kontrolle, gute Routine an vielen Stellen so gut zusammengreifen, dass mehr geschafft wird als bei manchen gewerblichen Betrieben und dabei insbesondere keine größeren Schäden entstehen. Möge das so bleiben und daran arbeiten wir hart. So war es denn auch ungewohnt, dass ein Boot mit großem Bürokratieaufwand, Polizeibegleitung und Blaulicht die 18 Minuten durchs Dorf zur Halle begleitet wurde,

Alles funktionierte beinahe wie ein schweizerisches Uhrwerk: Kaum hatte ein Boot den Haken verlassen, stand das nächste bereit. Die Kranmannschaft arbeitete konzentriert und routiniert, die Fahrer der Trecker und Transportwagen hielten den Takt hoch, an der Waschstation wurde Schlick, Bewuchs, diverse Pocken und Flechten und die Erinnerung an die vergangene Saison in bemerkenswertem Tempo entfernt. Top-Performer bei den Antifoulings war wohl VC Offshore dieses Jahr, lustigerweise das helle mehr als das dunkle.

Besonders bemerkenswert war die Ausdauer aller. Während auf den ersten Fotos zum Anfang noch frische Gesichter und saubere Arbeitskleidung zu sehen waren, hatte sich das Bild später deutlich verändert. Irgendwo zwischen Boot Nummer 60 und 70 wurden die Bewegungen zwar etwas langsamer, die dummen Sprüche und gute Laune aber keineswegs weniger. Und das selbst an der Waschstation, bei der die Mitglieder permanent in kaltem Wassernebel stehen und nach kurzer Zeit durchgeweicht sind.

Um 12:30 Uhr verließ schließlich das letzte Boot den Hafen in Richtung Winterlager. Ein Moment, der traditionell irgendwo zwischen Erleichterung und Gedanken an den kaputten Rücken oder die Knie liegt. Die Saison ist endgültig vorbei. Keine spontanen Feierabendrunden mehr, keine Regatten, keine Hafenabende auf dem Wasser.

Auch während das letzte Boot bereits sicher an Land steht, ist für viele Helfer noch nicht Feierabend. Aufräumen, Nacharbeiten, Technik versorgen, Arbeitsflächen sichern. Erst gegen 13:30 Uhr waren die Arbeiten am Kran endgültig abgeschlossen und eine Stunde später auch oben an den Hallen.

Zurück bleibt das Bild eines Vereins, der sich auf seine Mitglieder verlassen kann. 82 Boote stehen sicher an Land, die Hallen sind bis auf die letzten Quadratmeter voll. Die ersten Eigner legen schon Planen aus und pflegen liebevoll ihr Unterwasserschiff.

Was war Aufslippen 2026 in LA?

  • 82 Boote.
  • 11,5 Stunden.
  • Ein kleiner Kratzer. Keine Verletzten. Keine größeren Schäden.
  • Und ganz viel Einsatzbereitschaft von allen. Nur gemeinsam geht es!

2 Comments on “Aufslippen 2026: Langballigauer Uhrwerk im Minutentakt”

  1. Deutsch/Amerikaner zu Besuch in eurem schoenen Hafen.

    Gruss aus Boulder, Colorado, USA. Ich hatte das Vergnuegen im September diesen Jahres mit eurem Club Mitglied Dirk Stieglitz auf seinem Segelboot Distelfink von Langballigau nach Soderburg zu segeln. Ein wunderschoener Tagestrip. Ich bin mit meiner kleinen Catalina 22 hier in Boulder etwas „Land-Locked“, habe aber mit „Pumuckl“ bereits die obere Chessapeak Bucht um Annapolis,und das Delta des Delaware Flusses bei Philadelphia abgesegelt. Nochmals einen lieben Gruss an alle „Schipper“ aus Boulder Colorado am Rande der Rocky Mountains.

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