Nordstadtwerke Cup: Flotte Föhnfrisur

Ungewohntes Wetter, ungewohnte Ergebnisse.

Nach langen, heißen und eher schwachwindigen Sommerwochen pflügte über die Flensburger Außenförde am Samstag, den 22. August starker Wind aus einer ungewöhnlich südlichen Richtung. Eine echte Herausforderung für eine Regattaorganisation, zu dem Nordstadtwerke Cup 2020 eine anständige Up-and down Bahn zu legen. Und eine Herausforderung für die Crews, den Mast halbwegs senkrecht zu halten. Jeder bekam an diesem Tag eine ordentliche Föhnfrisur verpasst.

Aber es gelang:

Dieses Jahr COVID-19 bedingt ohne großes Brückenfest, ohne Party, ohne Zelt und Musik fokussierte sich das Event ganz auf den Segelsport. Zum Nord-Stadtwerke Cup 2020 konnte der Yachtclub Langballigau 31 Meldungen verzeichnen. Besonders erfreulich die starke Präsenz der Albin-Express Klasse und die zunehmende Beteiligung von jungen Crews mit X-79 aus dem FSC. Auch die Freunde aus dem dänischen Grenzland finden zunehmend dem Weg nach Langballigau und genießen das unkomplizierte sportliche Segeln.

Mit einer großen, zur Ganzjahresbewohnung umgebauten Stahlschute legte das Startschiffkommando um Michael Rampf, Gisela und Henning Braun sowie Alex Meyer das Startschiff in der Nähe der grünen Tonnen beim Brunsnaes vor Anker. Platz genug, für die üblichen Wochenend-Touristen, dass Regattagebiet zu passieren und genügend Platz für Startgetümmel. Während es bei der auf Abstand gehaltenen Schifferbesprechung vor dem Clubhaus noch relativ gemütlich wirkte, zeigte sich beim raussegeln schnell, dass sich außerhalb des Landschutzes Wind mit erheblichen Böenpotenzial und heftigen Drehern als Herausforderung stellte. Der Wind pendelte sich in der Mitte bei 25 Knoten ein, überstieg teilweise in dem Böen im späteren Verlauf aber auch die 30-Knoten Marke.

 Vergleichsweise dazu überschaubare Wellenbildung ließ es aber machbar erscheinen, den Wettfahrtparcours zu überstehen. Problematisch war für die Wettfahrtleitung, hier eine saubere Startlinie auszulegen, da der Wind heftig drehte. Gestartet wurde in zwei Gruppen; als erstes die große Gruppe der Sportsegler, als 2. die kleinere Gruppe der Einsteiger Segler, die entspannt und ohne Gedränge zu einem Start kommen konnten. Problematisch für einige Teilnehmer war der Umstand, dass die Startsignale ausschließlich als Schallsignale ohne Flaggen erfolgten und bei größerem Abstand vom Startschiff für einige Teilnehmer verloren gingen. Ein Aspekt, über den der Regattaausschuss noch reflektieren wird.

Bei dem starken Wind trennte sich das Feld sehr schnell auf.  Die Böen und Dreher auszusteuern erwies sich als echte Aufgabe für alle Teilnehmer. 

Am Luvfass vor Bockholmwik angekommen, entzerrte sich das Tonnengedrängel glücklicherweise durch eine gelegte Abweisertonne. Danach kam für viele Crews die schwierige Entscheidung, ob Sie bei diesen Bedingungen noch Spinnaker ziehen, oder nicht. Selbst routinierte Crews entschieden sich spätestens nach dem ersten Lenzgang und den dort gemachten Erfahrungen dagegen, wenige fuhren durchgängig buntes Tuch. Die erste up- and down Wettfahrt war konzipiert mit drei Kreuzen und drei Lenzgängen. Einige Teilnehmer erlitten bei zunehmendem Wind in der letzten Phase Bruch. 

Eine Travellerschiene brach heraus, Spinnaker zerfetzten bzw. wickelten sich handfest um das Vorstag, sodass das hiervon betroffene Boot mehr als eine Stunde brauchte, sich hafenfein zu klarieren. Trotzdem ging die Wettfahrt ohne Personenschaden und ohne andere größere Sachschäden über die Bühne. Da die Bedingungen sich nicht verbesserten, entschied die Wettfahrtleitung letztlich, die geplante zweite Wettfahrt aufzugeben und die Regatta abzubrechen. Alle Teilnehmer kamen heil in den Hafen und genossen in Windschutz und bei Sonnenschein allerbestes Hafenwetter. Ein Stegbier und ein Schnack auf Distanz sorgt für gute Stimmung. Knapp 2 Stunden später konnte die Auswertung bereits vollzogen und eine Siegerehrung vor dem Clubhaus durchgeführt werden. Die Ergebnisse teilweise im zu erwartenden Rahmen, teilweise aber auch überraschend:

Wie schon bei dem etwas stärkerem Wind am Mittwoch vorher machte auch jetzt  die alte Lord Helmsman „Harlekin “ von Helmut Andresen und Patrick Meyer das Rennen und gewann vor allen Sportskanonen in der Gesamtwertung. Dicht gefolgt von dem frisch von der dänischen Meisterschaft hochtrainierten Konstantin Neumann mit seiner dänischen Ylva, einem großen modernen Schärenkreuzer.

Danach in der Gesamtwertung erst die üblichen Verdächtigen für vordere Plätze: Thorsten Thelen mit der Circus auf Platz drei. Abonnementsieger Stefan Voss mit der neuen Archambault 35 OM sowie die Dieter Naujeck mit Kuddeldaddeldu auf dem 4. und 5. Platz.

Erfreulich weit vorne in der Ergebnisliste Harald Thiele mit seiner X-362 Classic Locura, gefolgt von der neueren X-37 Toxic von Jörn Juhl aus Sonderborg.

Der diesjährige Gewinner der Express Klasse überraschte zwar nicht, ist das persönliche Potenzial der Crew doch bekannt. Trotzdem erstmals auf dem  ersten Platz bei einem Nord-Stadtwerke Cup: Timo Erps in der Albin Express Klasse mit Joe Cool und dem 8. Platz in der Gesamtwertung.

Sehr schnell standen tolle und dynamische Bilder im Netz, die Hauke Bunks für uns vom Funktionsboot des YCLL gemacht hatte, bei den heftigen Bedingungen kompetent unterstützt von Steuermann Martin Lausen.

Die Bilder sind bereits in der Galerie, ebenso auf der Facebook-Seite des YCLL.

Die Ergebnisse in den Klassen wie folgt:

ORC 1

  1. Sylva, Konstantin Neumann
  2. Circus, Thorsten Thelen
  3. OM, Stefan Voss

 

ORC 2

  1. Kuddeldaddeldu, Dieter Naujeck
  2. Frau Antje, Eignergemeinschaft Jacobs/Fischer
  3. Thiassi, Joachim Schultze

 

ORC 3

  1. Harlekin, Helmut Andresen/Patrick Meyer
  2. Calle Strömer, Irk Boockhoff
  3. Havlys, Ralf Kock

ORC 4

  1. Elixier, Christian Rocholl
  2. Vierendehl, Carsten Reckweg
  3. Pur Elle, Holger Elle 

ORC 5

  1. Carpe Diem, Claudia Thelen
  2. Lotta, Hildburg Finkler

 

Albin Express

  1. Joe Cool, Timo Erps
  2. Lynx, Peter Moisen
  3. Explode4us, Rainer Koch

 

Damit ist das Regattageschehen zu Wochenendregatten für die Saison 2020 in Yachtclub Langballigau auch beendet. Wir absolvieren noch bis Ende September die Mittwochabendregatta-Serie, zu der auch Segler von auswärts herzlich willkommen sind.

Dass weitere Regattageschehen in der Region Flensburg wird noch durch die Fördewoche des FSC, der Kalkgrundtregatta der RGF sowie möglicherweise einem weiteren interessanten Event der Regattavereinigung Seesegeln in Olpenitz Anfang Oktober gekennzeichnet.

Wir freuen uns, Euch wieder zu treffen!

One Comment on “Nordstadtwerke Cup: Flotte Föhnfrisur

  1. Ich freue mich immer über die tollen Berichte über unsere Events. Sie sind immer sehr launig und treffend geschrieben. Danke.
    Der Abbruch der weiteren Regatta war schade, aber genau die richtige Entscheidung.

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