T. Thelen und S. Voss auf Silver Rudder 2016

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Start im engen Svendborg Sund

Es ist die größte wachsende Regattaveranstaltung Nordeuropas. Jegliche Art von Boot ist vertreten. Es gibt keine Vermessungsstreitigkeiten. Weil es kein Segeln nach Rennwerten gibt. Der Sieg ist das Ankommen. Persönlich und ganz individuell. Denn es geht einhand nonstop um Fünen. Nicht irgendwie, sondern mit vielen anderen Teilnehmern.  Und die sind irgendwann unbenanntgenauso wenig ausgeschlafen, wie man selbst. Das ist der Reiz, dem soviele Segler nicht nur in Dänemark, sondern auch in Norddeutschland verfallen. Die YACHT hatte schon letztes Jahr groß berichtet.  Thorsten Thelen und Stefan Voss sind mit Six Beat  und Dogmatix dieses Jahr dabei gewesen. Wie jeden Teilnehmer haben einige Clubmitglieder auch ihr persönliches Rennen per Tracker verfolgen können. Ausgeschlafener als beide zusammen, daß gilt als sicher.

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Das Zeichen des seglerischen Ironmans

Während andere Segler schon die Boote für den Winter ausräumen, kämpften sich ab Freitag vormittag  knapp 400 Boote vornehmlich bei Gegenwind um die Insel Fünen.

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Gegenan auf Six Beat

Besonders tricky: Der Start findet in einem der engsten Bereiche des Svendborgsundes statt. Und Enge ist bei der Teilnehmerzahl und den fehlenden Händen nicht das einzige Problem: Der Einfluss von Gezeitenstrom kommt dazu. Trotzdem passierte kein Unglück.

Das Gros des Feldes befand sich bei Einbruch der Nacht schon auf der Nord-Ost-Ecke Fünens und die meisten dürften die Enge bei Middelfaart in dusterer Nacht durchquert haben. Wer die Boote auf dem Tracker verfolgte, fragte sich bei einigen Teilnehmerfeldern eigentlich nur: Wieviel Platz ist da noch zwischen den Booten?

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Wenig Licht nördlich Fünens

Die Kreuz durch den Kleinen Belt dürfte für jeden spätestens der Zeitpunkt für den ersten toten Punkt gewesen sein, den es zu überwinden galt. Denn frisch und wach sein ist essentiell für den Abschluss: Von Westen wieder hinein in den Svendborg Sund. Wieder eng, wieder Strom… und Kaffee hilft langsam auch nicht mehr…

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Nur die Instrumente spenden Licht…

Stefan konnte sich konstant an der Spitze seiner Gruppe halten und erreichte deutlich vor vielen wesentlich größeren Booten und bekannten deutschen und dänischen Namen nach knapp einem Tag  kurz vor 10:00 Svendborg.

Besonders tragisch verlief es für seinen Freund und Spezial-Bootsbauer Wolfram Heibeck aus Hooksiel mit seiner technisch ausgetüffelten Black Maggy in der gleichen Startgruppe. Wolfram hielt sich bis wenige Meilen vor dem Ziel mit deutlichem Abstand vor dem Feld und musste im Gegenstrom ankern, bis ihn das von hinten kommende Feld mit Wind geradezu  überrannte.

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…und das unverzichtbare headlight

Thorsten mischte ebenfalls sehr erfolgreich mit und erreichte 2,5 Stunden nach Stefan das Ziel, nur eine Stunden hinter dem mehrfachen Deutschen Meister Kalle Dehler mit der grösseren und neuen Dehler 38 Sporthotel.

Aber auf die Zielzeiten kommt es bei dieser Veranstaltung nicht an. Entscheidend ist der Kampf mit sich selbst. Und den haben beide bravourös gemeistert.

Beide berichten müde, aber sehr zufrieden noch aus dem Svendborgsund von der Veranstaltung:

 

Tthorstenhorsten:

Also mein Resümee ist: Anspruchsvolle Skipperveranstaltung. Hier zeigt der Skipper mal wie es geht. Spimanöver wurden so wie mit voller Crew gefahren. Segelwechsel werden auch im Dunkeln, an der Kreuz und auch bei Seegang alleine durchgeführt, denn es ist ja alles perfekt vorbereitet?
Manchmal fragte man sich, warum man Regatta mit Crew segelt ? – Also ehrlich!! Die Konkurrenten in meiner Gruppe haben sich nichts geschenkt. Auf die fehlenden Hände nahm keiner Rücksicht, wenn es darum ging, ein erforderliches Manöver zu fahren oder einen Segelwechsel zu machen.

Zum Thema Schlaf:  Ich hatte so gegen 6:00 Uhr einen kleinen Durchhänger. Aber der liess sich perfekt eliminieren, wenn man Segel trimmt, Spinacker packt oder andere Dinge macht, die eben anstehen. Irgendwann ist der Punkt gekommen, da wird man nicht müde sondern ‚großzügiger‘ .

Für die Veranstaltung gibt es klare 5 Sterne von mir: Das ist auch etwas für unsere Clubmitglieder….ich habe da soviele Impalas, Maxis, Larsens und co gesehen…

Als ich am Abend vorher eingelaufen bin, sind mir gleich vier Schlauchboote zum helfen entgegengekommen und an Land standen ebenfalls viele Helfer. Es ist schon ein bisschen komisch, wenn der Hafen extrem voll ist, aber „nur“ die Skipper hier herumlaufen. Auch der Check in war super organisiert.

 

Stefan:

Ich kann Thorstens Resümee nur zustimmestefann: Der Skipper ist auf allen Positionen. Jedes Manöver sollte vorher gut geplant sein. Es ist unglaublich, wie gut und engagiert hier teilweise gesegelt wird. Wenn man es nicht wüsste, würde ein Beobachter auf dem Wasser denken, dass dort volle Crews zugange sind. Beispiel beim Start: 70 Boote im engen Svendborgsund an der Linie. Fast alle setzen Spi, obwohl klar ist , dass der nach 600 Metern wieder runter muss und zwischendurch auch noch eine Halse ansteht. Das ist cool!

Die vorderen, also Black Maggy und Red und die Multis sind direkt vor dem Ziel im Gegenstrom und Flaute hängen geblieben. Sie haben dort 2-3 Stunden geankert. Dogmatix und Phylaia kamen danach und blieben auch kurz liegen, aber noch ohne ankern zu müssen. Dann kam gegen 9:40 Uhr eine weitere Verfolgergruppe, die uns mit Wind von achtern links überholte und alle gehen gemeinsam in Ziel. Black Maggy noch hinter mir und mein konstanter Verfolger (x 332 Luxus) noch vor mir. Der vermeintlich erste treibt nur eine Meile vor dem Ziel zurück. Also: Wer Gerechtigkeit auf Ziellisten erwartet, der  ist hier verkehrt. Dafür gibt es zu viele Möglichkeiten im Svendborgsund oder in Snävringen zu scheitern. Die Teilnehmer hier wissen das auch und am Ende kann jeder seine eigene Leistung gut genug bewerten. Vergleich gibt’s genug.

Veranstaltung und Orga top. Null Chaos. Ein kleines Minus nur für die Abendveranstaltung.

Und richtig: YCLL Segler, fühlt Euch aufgefordert!

 

 

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