Warmes Bier und Lummerwind

Als Stefan Voss die aus der Innenförde angesegelten Gäste nach den Windverhältnissen fragte und 5-10 Knoten genannt bekam, war alles wieder entspannt. Denn wahrscheinlich war er doch etwas nervös gewesen, die lange 22sm Bahn anzusagen. Darauf hatte er die spezifischen Startzeiten für das Känguruhstartverfahren festgelegt und bei Känguruh muss der Schuss sitzen. Bahnverkürzung wegen abflauendem Wind: Gibt es nicht!

Wahnsinn, welche berechneten Zeiten sich daraus ergeben. Das sogenannte 0 Boot, die SURPRISE (ein Nordisches Folkeboot) startete um 18:00 durch das schmale Startgate vor dem Hafen Langballigau.

Das letzte Boot, die CIRCUS 1,5 Stunden (!) später. Uneinholbar scheint diese Zeit. Wir werden sehen. Langballigauer sind hart im Nehmen: Das es vom Start auch sehr angespitzt unter Spi zur Tonne 4 bei Cafe Drei geht hatten sie alle schnell raus. Die meisten konnten trotz lummerigem Wind um 5-6 Knoten mit einigermaßen Druck auf die Bahn. Die mit späteren Startzeiten probierten es auch immer wieder aus. Aber die Anfahrt an die Startlinie zum Test war quasi geblockt: Immer wieder startete einer aus dem Feld der  25 Boote. Als der letzte startete, war der erste schon in der Innenförde. Die meisten schafften den Weg zu Cafe Drei unter Spi und konnten danach auf dem Weg nach Norden – Nejsmölle- schiften. Die großen X-en und die Ylvas battleten sich größtenteils nach Luv aus. Keine Langeweile… Bei Nejsmölle war nochmal schiften und immer mehr anspitzen gefragt. Ab Tonne 8 -Rinkenaes- ging es dann an einen Anlieger bei zunehmend löchrigem Wind in Richtung Meierwiek.

Hier die Spur mit Druck finden war eine Aufgabe. Genügend Abstand zum Wald halten, die gleichzeitige Herausforderung: Lag doch die nächste Regattatonne direkt unter dem Wald in beschaulich ruhiger Gegend. Hier passierte viel im Feld, gingen die Crews die Aufgabe der Tonnenanfahrt doch höchst unterschiedlich an. Einige gewannen hier 5 Boote aufeinmal. Andere verloren massiv.

Abwärts, wieder in spitzem Spigang ging es über die Innenförde Richtung Kollund, wo es direkt auf den Rückweg ging. In Kollund spielten unsere dänischen Express-Freunde von der Lynx Spinnaker-Ballet und bekamen ihr rundes Tuch wohl auch nicht ohne Verletzungen runter. Das tat ihrer bis dahin schon herausragend ersegelten Position kaum einen Abbruch.

Zurück Richtung Meierwik ging es mit etwas Herzklopfen, weil viele auf der Strecke die große CIRCUS und OM unter Gennaker auf sich zudonnern sahen. Der Gegenverkehr klappte aber ohne Geschrei und ohne Berührungen.

Nach Meierwik konnten wir wieder spitz und Spi bis Tonne 8 zurückfahren. Der Wind wusste auch nicht so richtig, für wieviel Druck er sich entscheiden sollte. OM und CIRCUS führten mit weit über die Förde hörbaren Winschgeknatter ihr Privatfehde aus.

OM deckte CIRCUS, wo es nur ging und die beiden drückten sich vor Tonne 8 immer höher. So hoch, daß wir kaum entscheiden konnten, wem neben uns selbst mehr Aufmerksamkeit zu schenken ist: Dem wahllos über die Förde treibendem Partydampfer KOI , dessen Discosound wohl überregional zu hören war, oder den beiden Kontrahenten, bei denen sich die einen oder anderen einen kurzen Performancedämpfer durch Grundberührung an Schidenkind durchaus wünschen konnten.

Die beiden waren nicht zu halten und Thorsten dürfte langsam an Bord der CIRCUS in die Pinne gebissen haben, weil er an Stefan nicht vorbei kam.

Nach Tonne 8 hieß es noch kurz boathandling beweisen. So spitz wie es geht unter Spi. aber irgendwann auf Genoa zurück wechseln. Wenn das früher als bei dem luvwärtigen Boot erforderlich war, konnten man den wenigstens noch hoch drücken. Denn Sonnenuntergang und der Wechsel von den allgemeinen WR auf die KVR war für die meisten wohl noch nicht in Vollzug.

Nach der Schwiegermutter ging es bei deutlich nachlassendem Tageslicht auf die Kreuz gen Bockholmwik. Die Tonne dort zu finden war navigatorisch bei der Dunkelheit schon eine Herausforderung. Leichter war es später im Hinblick auf die Ziellinie. Denn die lag ohnehin grob auf Kurs Kalkgrund Leuchtturm, dessen Kennung gut zu sehen war. Eine kleine LED-Leuchte an dem mobilen Zielfass macht es dann rechtzeitig leicht, die Ziellinie zu finden. Hier stellt sich dann raus, wer das Rennen gewonnen hatte: CIRCUS hatte es geschafft, durchzubrechen. Der Sieg ist bitter erkauft: Bei FLENSBURGER DUNKEL dokumentiert das Boot mit dem ersten Zieldurchgang die Reihenfolge der eingehenden Boote. Der 2. – hier die OM – darf ab in den Hafen, dort dann den Grill anschmeißen.

Das ist Langballigau: Sport, entspannter Setup und Spaß beim „After-Sail“. Im Hafen erfreute ein Bierpils von Flensburger alle genauso, wie der große Grill, auf den jeder noch etwas Fleisch werfen konnte.

Direkt, nachdem der große Hunger gestillt war, ging es an die Siegerehrung. Diesmal gingen die vorderen Plätze an die beiden großen Gennaker-Boote. Der dritte Platz ging an die SOPHUS, die sich auch vor der Schwiegermutter auf den Platz setzen und vom Feld noch absetzen konnte.

Besonders schön war, das einige Boote, die letztes Jahr noch in der „Einsteigergruppe“ segelten, jetzt mit Spinnaker bei den „großen“ mitmachen.

Ein wunderbarer Abend, was die Stimmung angeht, ein wunderbarer Abend, was das segeln angeht. Ruhe im Clubhaus war erst gegen 3:00 Uhr nachts.

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