Rund Skagen – das Rennen gegen sich selbst

Rund Skagen 2022 überstanden. Aus dem YCLL waren ein Boot ganz vorne und ein Boot ganz hinten dabei. Beide haben eine Hammerleistung abgeliefert:

Havlys-Crew mit Ralf Kock, Carsten Reckweg, Roy Weissenberger und Dirk Grünberg (vlnr)

Start war 16:30 am Pfingstmontag. Die Boote wurden die jütländische Küste gen Skagen geschickt. Das hartes Wetter auf sie zukommen würde, war von vornherein klar. Sturmnavigation und -taktik Pflicht. Wind bis zu 8 Beaufort begleiteten beide Boote streckenweise. Gebiete mit höheren Windgeschwindigkeiten konnten sie umfahren. Beiden Teams ist es gut gelungen, zur rechten Zeit die richtigen Quadranten des Tiefs zu erreichen. Furchtlos, aber doch sicher fuhren sie auch nachts Vorwindsegel und lösten sich teilweise in modifizierten Wachsystemen ab – je nach Belastung und Ermüdung. Über 2 Tage Segeln wie im Waschmaschinen-Schleudergang. Unter Deck kaum ein trockenes Fleckchen. Segelwechsel spülten Seewasser ins Schiff, das kaum noch herauszubekommen war. Die glitschige OM von Stefan Voss konnte von vornherein gut im Spitzenfeld der normalgrossen Boote mitfahren. Aber vor allem die ausgeprägt sicher ausgestattete und kleinste Havlys von Ralf Kock zeigt eine beeindruckende Leistung, durch gute Taktik und sicheres, aber beherztes Boathandling nie den Kontakt zum Feld zu verlieren, obschon das Geschwindigkeitspotenzial der anderen Boote klar größer war.

OM-Crew mit Marie Srogosz. Stefan Voss Roland Villasenor, Holger Jacobs, Bengt Jeschke (vlnr)

An Skagen vorbei war auch der Waschgang vorbei und die Sonne liess auf Trocknung hoffen. Lebensgeister mussten trotzdem nicht geweckt werden; beide Crews waren durchweg angriffslustig. Nur war Kaffeekochen und Essen jetzt deutlich leichter umzusetzen. Taktisch anspruchsvoll fand OM einen Weg, bei dem stark abnehmenden Wind und Gegenstrom nie völlig hängen zu bleiben und segelt mal schneller, mal langsamer im Feld der schnellen normal-grossen Boote mit. Havlys hielt zunächst weiter beeindruckend Kontakt zum Feld und war zwischenzeitlich über längere Strecken 1. in ihrer Wertungsklasse, was bei OM nur kürzere Phasen gelang, allerdings in auch überaus kompetetivem Umfeld. Südlich Anholt kippte dann das Glückspendel für Havlys: Die Konkurrenz noch in Sichtweite, entflogen diese mit dem letzten Hauch, während Havlys still in der Flaute liegen blieb.

Während OM sich mit kurzen Kreuzschlägen an der Ostküste Langelands aus dem Gegenstrom raushielt und nach vorne kam, musste Havlys sich in zähem Nervenkampf von Windfeld zu Windfeld arbeiten.

„In Gelassenheit üben“ war ein hartes Brot in der Umsetzung. Nach der Darstellung der Schwierigkeiten, in denen sich die Havlys Crew durch die Windlöcher manövrierte schrieb Ralf an Tag 4 ohne Landkontakt:

Wir sind ja nicht anspruchsvoll…Wetter super, Stimmung weiter gut. Wir lassen nicht nach und kämpfen!

Nachdem OM mit einer Segelzeit von rnd 78 Stunden Helgoland – Kiel ohne Kanalpassage geschafft hat, gelangte auch Havlys am Samstag um 9:30, nach 116 Stunden, sicher über die Ziellinie bei Kiel Leuchtturm. Der Unterschied in der ORC Berechnung beträgt aber unter 15 Stunden. OM: 6. Platz und Havlys Platz 11 in ORC 3 und 4 (international und club-Wertung zusammen)

Doch kommt es darauf an? Nein!

Dieses Rennen ist ein Rennen gegen sich selbst. Es ist ein Rennen, nachdem jeder Teilnehmer seine Crewkollegen menschlich besser kennt als manche ihren Ehepartner. Jeder kommt bei einem Rennen unter den diesjährigen Bedingungen zumindest streckenweise mal an seine eigenen persönlichen Grenzen. Und jeder hat es – sportlich und sicher- überstanden. Das Erlebnis nimmt einem niemand und die gesegelte oder berechnete Zeit steht demgegenüber klar zurück. 

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