World Sailing Sicherheitstraining in Elsfleth

Bevor es am Freitag für uns vier (Ralf, Roy, Dirk und ich) überhaupt losgeht machen wir zur Sicherheit schon mal einen Corona Schnelltest, auch wenn alle Teilnehmer gleich am Samstagmorgen vor Ort nochmal getestet werden. Nach kurzer Begrüßung erkenne ich in der Runde auch Seglerprominenz. Auch die erfahrenen Hochseesegler müssen ihr Zertifikat alle paar Jahre erneuern.

Es steht einiges auf dem Programm die nächsten zwei Tage: Yachtführung und Crewvorbereitung bei hartem Wetter, Ausrüstung, Sturmsegel, Notfallrolle, MOB, Brand- und Leckabwehr, Signalmittel, erste Hilfe auf See… Aber der „Höhepunkt“ folgt am zweiten Tag:

Ab ins Spassbad;-)

Jetzt geht es für uns ins Wasserbecken – viel Respekt bei mir, nach dem Studium der Videos und „seelischen“ Vorbereitung am Tag vorher durch Tobias, dem Leiter von Fire & Safety. Da kommen einige Herausforderungen auf uns zu. Vorher wird noch ein Captain für unsere elfköpfige Gruppe ausgewählt, Ralf hat das Kommando. Ich werde kurz vorher, nach nicht sehr erfolgreichem wegducken, von ihm zum Stellvertreter ernannt. Als erstes der Sprung mit vollen Klamotten und Ölzeug ins 22° „warme“, noch spiegelglatte Wasser. Die leichteste Übung, denke ich noch, bis ich feststelle, dass bei meiner Weste gar nichts passiert. Langsam entweicht die letzte Luft aus meinem Ölzeug. Okay dann eben die Reißleine ziehen. Wieder passiert nichts. Langsam wird das Schwimmen in voller Montur mit Gummistiefeln unangenehmer. Also wieder raus aus dem Becken und nachschauen: die Patrone ist gar nicht eingeschraubt sondern liegt nur daneben. Wartung hin oder her, man sollte immer seine Weste kontrollieren, lerne ich. Ist ja keine Rettungsinsel, kann man ja mal aufmachen das Ding.

Na gut, ich reihe mich endlich ein in die Raupe: alle klammern sich mit den Beinen an den Vordermann und paddeln auf Ralfs Kommando durchs Becken. Langsam steigert sich die Welle und kommt von allen Seiten, gewürzt mit einer 8° kalten Dusche von oben. Jetzt wird es langsam ernst, einzelne Teilnehmer kämpfen mit dem Sitz ihrer Schwimmweste und den stärker werdenden Wellen und dem Wind aus der Maschine. 

Die nächste Prüfung ist für jeden Teilnehmer das Umdrehen der gekenterten zwölf Personen Rettungsinsel. Das geht überraschenderweise leichter als gedacht, nur jetzt schnell weg bevor einem das Ding auf den Kopf fällt.

Das große Finale steht bevor: alle Lichter gehen aus, die Wind- und Wassermaschine läuft auf vollen Touren und alle Teilnehmer warten, nachdem die ganze Crew die Insel erklommen hat, bei wild schaukelnder Rettungsinsel auf das Abbergen durch den ‚Hubschrauber’. Ein Rettungschwimmer aus dem ‚Helikopter’ ist zu uns in die Insel geklettert und man kann sich nur brüllend verständigen. Von oben kommt zusätzlich noch die Rotationssimulation des Rotors, inklusive peitschendem Regen. Ralf und ich müssen immer wieder die Rettungsinsel durch wildes paddeln mit den Armen unter der Schlinge positionieren. Dann wird einer nach dem anderen nach oben gewinscht. Die bereitgestellten Eimer bleiben heute leer und alle gehen schwankend die Treppe runter, 2,5 Std. im Wasser sind geschafft!

Fazit: So ein praxisnahes Sicherheitstraining kann ich jedem Segler wärmstens empfehlen, auch wenn er „nur“ in der Ostsee rumschippert. Alles einmal gesehen und vor allem auch ausprobiert zu haben gibt ein gutes Gefühl auf jedem Törn!

Carsten

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