4 Langballigauer beim Silverrudder

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Der Sommer geht zu Ende, die Hafen leerer, die Nächte kälter. Wieder Zeit für viele Durchgeknallte, sich einem jährlich wiederkehrenden Martyrium zu stellen. Der Ironman der Ostseesegler, die weltweit größte Singlehand-Herausforderung startet heute wieder in Svendborg auf Fünen. Über 400 einzelne Segler kämpfen sich um Fünen.

Die letzten Jahre eher ein Kampf der Elemente, der Kampf mit der eigenen Physis und dem Material, wird es dieses Jahr für die Teilnehmer eine andere Herausforderung: Die Zähigkeit. Die Windprognose verspricht ein langes Rennen, ein Ringen um Wind und Druck, um vorwärts zu kommen. Jeder wird dieses Jahr deutlich länger segeln müssen. Die Herausforderungen an das Schlafmanagement werden größer. Wobei Schlafen….is nicht. Denn die Skipper sind alleine an Bord, müssen Ausguck gehen und aufpassen, dass sie nicht gegeneinander fahren. Dieses Risiko hat sich in den letzten Jahren extrem selten realisiert. Angesichts der großen Zahl an Teilnehmern und der Herausforderungen an die Schiffsführung ein Beweis der Qualität der Teilnehmer.

In diesem Rennen geht es nur nachrangig um die Frage, wer als erster durchs Ziel geht. Der Sieg besteht darin, es überhaupt zu schaffen.

Dieses Rennen ist daher sehr beliebt. Die Teilnehmer kommen daher nicht nur aus Dänemark und zu einem sehr großen Teil aus Deutschland. Sondern auch aus Schweden, Polen, Österreich und Slowenien. Für viel ist dies das absolute Highlight der Saison. Die Langballigauer sind ein fester Bestandteil dieser Herausforderung und schaffen es immer wieder, teilweise sogar mit hervorragenden Platzierungen in den Zeitwertungen.

Dieses Jahr dabei sind:

Novize Uli Dehn. Es ist sein erstes Mal. Er ist mit Calina dabei, einer X-342. Uli ist mittwochs immer mit auf der Regattabahn, hat aber gerade an langen Schlägen seine größte Freude. Dieses Jahr wird ihn material- und kraft mäßig nicht so sehr auf die Probe stellen. Aber er wird sich besonders mit dem auseinandersetzen müssen, was die Herausforderung so hart macht: Das Fehlen von Pausen über einen langen Zeitraum.

Marinemann Gunnar Bednarz: Unkaputtbar mit seiner kleinen Omega 30 Hoppetosse: Gunnar ist erfahren und hat nicht nur als Seeoffizier, sondern auch bei einigen Silverrudder alles erlebt. Er arbeitet mit simpler Technik. Wenig Komfort, wenig Risiko. Ein unmittelbare Herausforderung.

Fortgeschrittener Thorsten Thelen: Er ist schon mehrmals dabei gewesen. Ein Start ist ihm durch einen anderen Teilnehmer versemmelt worden.

Seine Circus (Seaquest 36) ist sehr schnell, gleichzeitig trotz ihrer Größe gut zu handeln und auch bei Leichtwind eine Rakete. Bester Set-up für ihn.

Profi Stefan Voss: Als Segelmacher immer sehr affin für solche Regatten und seine Tendenz, sich mehr für diese Art von Short-hand Regatten zu interessieren, statt mit großer Crew unterwegs zu sein, wird deutlich. Sie dokumentiert sich vor allem, als er seine alte Dogmatix (X-332) gegen die neue OM (Archambault 35) eintauschte.

Ein Boot, wie gemacht für diese Art von Regatten;  trotzdem groß, schnell und handelbar. Die Zahl an möglichen Leichtwind-Vorsegeln ist schwer nachvollziehbar. Alle haben auch die gleiche Farbe. Stefan ist Segelmacher und hat von allem genug dabei. Allerbeste Voraussetzung für ihn, auch dieses Jahr ganz vorne mitzumischen. Dieses Jahr ganz elegant mit shore-crew

Der erste Start beginnt um 10.00h. Langsam werden unsere Seehelden wach. Thorsten hat schon ein Foto von dem vollen Innenhafen von Svendborg geschickt, der sehr gut organisiert „vollgepackt“ wurde. Alles bestens organisiert und begleitet vom lokalen Team, die auch im Hinblick auf Covid19-Prävention für dänische Verhältnisse einen vorbildlichen Job leisten.

 

….Ja, und da war es auch schon wieder vorbei. Unsere tapferen Recken sind durch die Nacht mit engagierter Kreuz im dunkeln entlang der Nordküste Fünen gekommen. Stefan hat es als einer der ersten bis zur Brücke Kongebro bei Middelfaart geschafft. Vor ihm rutschten noch 2 Wettbewerber durch, bis er in 2 Kn Gegenstrom ankern musste und erstmal nicht weiter kam. Das Feld rollte mit draußen noch vorhandenem Druck in die Meerenge und er verlor seinen hart erarbeiteten Vorsprung. Einige wenige kleine Boote schafften noch unter Nutzung der Stromverhältnisse im flachen Bereich an den Kanten, die Brücke zu passieren. Stefan und Thorsten letztlich auch. Doch war so viel Zeit vergangen, dass das Zeitlimit klar nicht mehr erreicht werden konnte. Unsere Teilnehmer mussten daher abbrechen und unter Maschine nach Hause fahren. Von über 400 Startern kamen ganze 29 im Zeitlimit in Svendborg an. Traurig; ja. Aber trotz allem für alle eine tolle Erfahrung. 

Livevideo von Thorsten zwischen Fyn und Langeland

Livevideo von Uli nach dem Start:

Livevideo von Stefan nach dem Start:

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