Double Rundt – Alle Wetter!

Sonnenschein, Wind und Welle waren das dominierende Thema beim ersten Double Rundt 2020 in der Corona-Edition am 27. Juni 2020 in Langballigau. Eine Regatta – wirklich für alle!

Hochsommertemperaturen und Karibikfeeling schon am Abend vorher. Einige Frühanreiser ankerten am Freitag Nachmittag zum Baden, SUPen und Brise einfangen in der Flachwasserzone unmittelbar vor dem Hafen. Der Hafen füllte sich am Abend, aber die Befürchtungen des Regattaausschusses um Initiatoren Stefan Voß und Jochen Kunze, der Hafen könnten seine Kapazitätsgrenze erreichen, diese Befürchtungen bestätigten sich nicht. Im Gegenteil: Kuschelige Stimmung, einige Boote in den Pappelalleen des Hafens, aber kein Stresstest für die Spät-Anreisenden, die von der Lübecker Bucht, der Kieler Förde und sogar von der Nordsee angereist waren. Leider ermöglichten die Corona Einschränkungen kein grosses get-together. Aber das machte nichts. Der Schnack von Cockpit zu Cockpit und über den Steg funktionierte blendend, die Stimmung entspannt und erwartungsvoll.

Im Einzelgespräch erhielt jeder Teilnehmer seine Bahn, Regattaflagge und goodies von dem Hauptsponsor Gotthardt-Yacht und eine kurze Erläuterung des simpel gehaltenen Ablaufs.

Am Samstag morgen verliessen rund 55 Boote den Hafen um 8:00. Direkt vor dem Hafen Langballigau erfolgte  auf einer ausgedehnten Startlinie für alle Boote gleichzeitig um 9:00 der Start mit einer Kreuz mit leicht ausgeprägtem StB-Streckbug. Auf der Startlinie von völlig normalen Familienbooten über Club-Racer bis zu abgefahrenen Konstruktionen wie den Open40 Black Maggy mit Canting+Swing keel und foils, der L 30 Sharifa von Rasmus Töpsch, die vom neuen Double-mixed team Lena Weisskichel und Max Gurgel über die Bahn gescheucht wurden, ferner ein gepimpter Dragonfly 800 vom Flensburger Tri-Spezi Lars Kämpfe und ein weiterer Tri Corsair 28 von X-332 Umsteiger Ulrich Jäger. Mit-Initiator Jochen Kunze hatte 8 Boote vom Typ X-332 zusammen getrommelt, die so auch eine engagierte Agenda für den Tag hatten.

Bei allerbestem Sommerwetter und moderatem Wind zwischen 8 und 12 Knoten setzte sich der Tross auf eine lange und eine kurze Bahn in Bewegung, die bei normalen Windverhältnissen 9-12 Stunden Segelspass versprechen sollte. Kein Nachmittags-Kaffeekurs, sondern einmal engagiert raus auf die westliche Ostsee, direkt an Kalkgrundt Leuchtturm vorbei und mit Welle gegenan in Richtung auf Tonne 2 querab Schleimünde-Ansteuerung.

Interessante Stromverhältnisse und die Welle mit nur moderatem Winddruck sorgten für eine sehr lange, aber spannende Kreuz. Am Fass ging es auf die Rutsche, für die einen relativ spitz mit 100 Grad wahrer Windwinkel, für andere etwas raumer. Bei 1-1,5m Welle konnten engagierte Teams unter Spi angleiten, andere fuhren sicher unter Dreieckssegel ab. Spätestens bei Poels Rev stand aber eine Schifte an.

Der Wind war für die erste Hälfte des Feldes mit 18 Knoten und entsprechender Welle gut. Einige nahmen für dieses Manöver den Spi runter, andere versuchten es erfolgreich. Nur bei wenigen mißlang das Manöver und sorgte für einige Minuten Stress. Das Feld hatte sich schon sehr weit gezogen. Während die etwas langsameren Schiffe noch auf der langen Kreuz zu Tonne 2 unterwegs waren, ging der Kampf an der Spitze schon vor Sonderborg weiter.

Bis eine Gewitterfront von Flensburg kommend über dem Feld herzog. Beeindruckende Wolkenformationen und starke Windturbulenzen, nirgendwo aber ernster Stress sorgten für einen unverhofften Zwischenstopp. Heftige Winddreher, völliges Absterben des Windes mischten die Karten für alle ordentlich durcheinander. Die derben Winddreher führten bei einigen zu momentaner Orientierungslosigkeit. Für im Schnitt 2-3 Stunden tat sich windtechnisch so gut wie nichts. Es erforderte Durchhaltewillen, diese Phase zu durchstehen und weiter zu segeln.

Klar, daß die schnelleren Boote trotz längerer Bahn diesen Willen leichter aufbringen konnten und auch noch im Zeitlimit das Ziel vor Langballigau erreichen konnten.

In den Gruppen der langsameren Boote reichte es leider trotz kürzerer Bahn für zu viele nicht mehr. Einige brachen an diesem Punkt die bis dahin ereignisreiche Regatta ab, einige hielten eisern bis zum Schluss durch. Besonders bitter war es für die Crew der Harlekin (Lord Helmsman), die sich mit ihrem schweren Langkieler durch die Schwachwindphase gehungert hat und nur 1 Minute nach dem Zeitlimit ohne Wertung die Ziellinie kreuzen musste. Schade für viele Teilnehmer, aber: Segeln ist kein Hallensport und eine Distanzwettfahrt kann solche Wetterereignisse mit sich bringen.

Trotzdem: Wir werden im kommenden Jahr bei der Planung grossen Wert darauf legen, daß möglichst jeder Teilnehmer eine gute Chance darauf erhält, seinen Segeltag mit einem Wertungsergebnis zu krönen.

Den meisten hat dieser Umstand nicht die Laune verdorben. Für alle war es ein engagierter und toller Tag auf See. Für viele Regattaneulinge waren es unschätzbare Erfahrungen und Eindrücke, die Lust auf mehr machen. Für viele Top-Crews war es eine spannende Herausforderung mit guter Konkurrenz. So war es insbesondere auch im Feld der X-332, die mit und ohne großer Genoa gegeneinander angetreten sind und die im vorderen Drittel auf einem sehr hohen Niveau mit sehr gutem Ergebnis segelten. Als Sieger ging hier die Xalty von Bernd Dreier mit Jan Assmann hervor, die mit kleiner Genoa 3 beeindruckend viel Druck ins Boot brachten und nur mit kurzer Code-0 Unterstützung ganz vorne mit durch Ziel gingen.

Das erreichte der Tri von Lars Kämpfe als erster, gefolgt in einem ganz engen Rennen von der Black Maggy und der Circus, die nur wenige Sekunden trennten. Ganz vorne mit dabei also zwei echte Vater-Kind-Duos, die die grossen Segelflächen Ihres Bootes meisterlich im Griff hatten. Besonders erwähnenswert auch Jan Reimer, mit der X-332 Just, der die shorthand – Herausforderung des Rennens für sich verstärkte und single hand segelte…und trotzdem mit ganz vorne in der Klasse landete.

Ono-Deli stand für die Rückkehrer mit mobilem Ausgabestand für Currywurst, Wrap oder Suppe zur Stärkung bereit.

In einer Siegerehrung auf Distanz für die Skipper im Dunkeln, konnten kurz vor Mitternacht und weniger als eine ¾ Stunde die von Rainer Koch ausgewerteten Ergebnisse präsentiert werden. Die gezeiteten Crews und besonders die Vater-Kind Crews erhielten einen verdienten Applaus und Preise vom Yachtclub Langballigau so wie Taschengeschenke vom Sponsor UK-Sailmakers.

Wir freuen uns, daß das Double Rundt 2020 trotz der Schwierigkeiten, die für die Orga und alle Teilnehmer durch die Corona-Pandemie eingetreten sind, zu einem vollen Erfolg geworden sind. Wir freuen uns auf 2021 und darauf, daß wir es dann schaffen, unser angestrebtes Konzept mit noch mehr Spass und guter Stimmung umzusetzen.

Die Bilder oben stammen von Hauke Bunks, das Gewitterbild von Irk Boockhoff.

Bilder vom Rennen hier

Ergebnisse hier

Wir danken dem Regattausschuss: Stefan Voß, Rainer Koch, Irk Boockhoff, Peter Weber, Carsten Reckweg und Jochen Kunze

Wir freuen uns auch auf unsere nächste Veranstaltung,  den NORDSTADTWERKE-Cup am 22.08.2020, der dieses Corona Jahr leider ohne gleichzeitiges Brückenfest stattfinden wird. Wir versuchen trotzdem, neben dem sportlichen event für gute Stimmung an den Stegen zu sorgen. Melde Dich gleich jetzt an!

Meldeliste und Anmeldung hier

Wir danken den Sponsoren des Double Rundt 2020: Gotthardt Yacht sowie UK Sailmakers, Yacht-Recht.de; Gerüstbau Thiele und Hafenbetreiber im-Jaich

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